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Bericht zur Konventstagung am 1. November 2004 in Brühl

   

Am 01.11.2004 fanden im Lutherischen Konvent im Rheinland, Brühl (bei Bonn) Vorträge und Podiumsdiskussionen zum Thema Evolutionstheorie und Kreationismus statt. Referenten waren Dr. Reinhard Junker, Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" sowie meine Person, Dr. Andreas Beyer, selber Christ und Mitglied einer evangelischen Landeskirche sowie außerdem Mitglied der AG Evolutionsbiologie des VdBiol.

Herr Junker eröffnete mit seinem Vortrag, der nur ganz am Rande biologische / evolutionstheoretische Punkte streifte. Bemerkenswert und anerkennenswert war die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Herr Junker seinen Standpunkt darlegte: Er habe in seinem Biologiestudium die Evolutionstheorie absolut überzeugend gefunden. Dann aber, mit 22 Jahren, sei er Christ geworden, und seine Auffassung des christlichen Glaubens habe zu einer scharfen Diskrepanz mit der Vorstellung eines Evolutionsvorganges anstelle einer Schöpfung geführt. Er verwies auf Römer 5, 12 als eine der Schlüsselstellen in der Bibel: "Wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben." Seine Auffassung der biblischen Botschaft legte er in drei Gegenüberstellungen dar: 1.) Adam (Sünder) / Jesus (Erlöser); 2.) Sünde (durch Adam) / Rechtfertigung (durch Jesus); 3.) Tod (durch die Sünde) - Leben (durch Jesus). Für ihn bedingt die Evolution, dass, wenn es kein erstes Menschenpaar gibt, es auch keinen Sündenfall und keine Erlösung geben könne, was für ihn unannehmbar ist. Damit räumte Herr Junker ein, dass seine Ablehnung der Evolutionstheorie zugunsten der Schöpfungsidee allein auf weltanschaulichen Gründen basiert. Auch gab er zu, dass er sich mit seiner Ansicht schwere wissenschaftliche Probleme einhandele.

Mein Vortrag bezog sich auf die Evolutionstheorie selbst. Zuerst eine "meta-Analyse", in der gezeigt wurde, dass sich der Kreationismus in scharfem Widerspruch zu einer Vielzahl anderer, voneinander unabhängiger Wissenschaften befindet: Diskrepanzen bestehen nicht nur zu Biologie, Physik, Geologie und Kosmologie, der Kreationismus steht mit seiner Bibelauffassung (Ablehnung textkritischer Analysen der Schrift, oftmals gepaart mit der Vorstellung einer Verbalinspiration) in deutlichem Gegensatz zur modernen Theologie. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass der Kreationismus allein schon aufgrund seiner inneren Struktur (Gewinnung seiner Hypothesen aus Offenbarung statt Beobachtung, nicht-empirische Vorgehensweise etc.) kein ernsthafter Konkurrent der empirischen Naturwissenschaft, konkret der Evolutionstheorie, sein kann.

Danach zeigte ich anhand von 4 recherchierten Zitaten aus dem Buch von Junker & Scherer, dass die kreationistische Perzeption der Evolutionswissenschaft und ihrer Ergebnisse oftmals erheblicher Verzerrung unterliegt ( Fehlerhafte Zitate im Evolutionslehrbuch). Dann folgte eine Darlegung des Stammbaum-Problems. (Wieso sind kreationistische Stammbäume immer voller Fragezeichen?) Dies ging über ins Thema "Macroevolution": Anhand etlicher Beispiele habe ich dargelegt, dass es vielfältige Beispiele für fließende Übergänge zwischen unterschiedlichen Gruppen auf allen taxonomischen Ebenen gibt, im krassen Widerspruch zur kreationistischen Grundtypen-Idee. Beispiele waren u.a. Handformen bei Primaten und anderen Säugerordnungen, die Entwicklungslinie Theropoden - Vögeln, die Evolution des Menschen. Weitere Themen wie die Unhaltbarkeit der Vorstellung einer nur wenige 1000 Jahre alten Erde und die molekulare Phylogenie konnten aus Zeitgründen nicht mehr abgehandelt werden. Betont sei noch, dass ich das Bestehen von Schwierigkeiten (viele offene Punkte um die Lebensentstehung) sowie vereinzelte Widersprüche (welche Finger sind bei Theropoden / Vögeln ausgebildet?) weder bestreiten noch verschweigen will - ausnahmslos jede Theorie hat auch Schwachpunkte, die Frage ist nur wie viele.

Die anschließende Diskussion drehte sich zum Einen um die relativ leicht zu beantwortenden Standardfragen "Wo gibt es Übergangsformen?" - "Welches sind die Beweise für Makroevolution?" - "Wie ist die Beziehung der Evolutionstheorie zum Marxismus, Kommunismus, Sozialdarwinismus?". Zum Anderen wurde ich über meine Ansicht zum Thema 'Sünde' sowie 'christlicher Glaube und Evolution' befragt. Darauf lautete meine ganz persönliche Antwort, 1.) dass das "Problem an der Sünde" ihre Existenz ist, nicht ihre Herkunft. Und auch für die christliche Theologie ist die Herkunftsfrage sekundär gegenüber der Frage nach der Erlösung. 2.) ist gänzlich unverständlich, wie eine einzige Verfehlung - die "Ursünde" des biblischen Adam - die gesamte Schöpfung einschließlich der Tier- und Pflanzenwelt verderben soll. Dazu bedürfe es so etwas wie einer "universellen Feldtheorie der Sünde" (wie es der Theologe Hansjörg Hemminger ausdrückte), was nicht nur empirisch-sachlich gegenstandslos sondern auch gänzlich absurd ist und außerdem extrem ungerecht wäre.

Die Debatte um den Kreationismus ist nun einmal hochemotional, weil Kreationisten - und das kam auf der Veranstaltung sehr deutlich heraus - die Evolutionstheorie nun einmal nicht aus primär sachlichen Gründen ablehnen. Des weiteren lehnen Wissenschaftler den Kreationismus natürlich vor allem wegen seiner Unwissenschaftlichkeit ab, darüber hinaus aber auch wegen der fundamentalistischen und wissenschaftsfeindlichen Grundhaltung, die oftmals mit ihm verbunden ist. Dass die Diskussion sich dennoch in geregelten und (fast immer) sachlichen Bahnen gehalten hat, war ausgesprochen angenehm und sicherlich ein Verdienst aller Beteiligter.

Fazit: Neues war nicht zu erfahren, was aber auch nicht zu erwarten war. Es wurden von Seiten des Kreationismus die alten Fragen gestellt, auf die immer noch die alten Antworten gelten.

   

Autor dieser News: Andreas Beyer  

       


© AG Evolutionsbiologie des VdBiol.   Letzte Aktualisierung: 03.10.04