Gründungserklärung

 

Wie viele wissen, ist der vdbiol (Verband Deutscher Biologen) dem VBiO (Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin) beigetreten; damit wurde ein Beschluss vom 31.5.2007 umgesetzt. Da die AG Evolutionsbiologie dem vdbiol angehörte, war somit eine neue Schirmherrschaft gegeben, und die AG wurde nun von den Umstrukturierungsmaßnahmen erreicht: Sie wurde Ende November 2009 aufgelöst. Für die unter dem Dach des VBiO neu zu gründende AG wird eine stärker wissenschaftliche Ausrichtung gewünscht, da sich der VBiO hauptsächlich als Fachverband versteht; die Argumentation gegen den Kreationismus soll daher nur noch eine Nebenrolle spielen.

 

Wir, die Mitglieder der neuen AG EvoBio, begrüßen diese Umorientierung: Die Auseinandersetzung mit Parawissenschaft ist nun einmal keine wissenschaftliche Fragestellung und daher keine zentrale Aufgabe für einen Fachverband. Allerdings ist und bleibt die Auseinandersetzung mit parawissenschaftlichen Inhalten – im Kontext der Evolutionsbiologie also vor allem mit Kreationismus und dem sog. "Intelligent Design" – eine wichtige Aufgabe: Die Verankerung der Wissenschaft in Bildung in der modernen Gesellschaft ist ein Faktor, der unsere Zukunftsperspektiven maßgeblich beeinflusst; hier liegt ein wesentliches Motiv für die Gründung dieser AG. Wir werden uns auch weiterhin der wissenschaftlichen Darstellung evolutionsbiologischer Themen widmen und uns dort, wo es notwendig ist, mit evolutionskritischer bzw. parawissenschaftlicher Argumentation auseinandersetzen.

 

Eingeladen zur Mitarbeit sind alle Personen, die im Bereich Evolutionsbiologie kompetent sind und sich in dieser Art der Öffentlichkeitsarbeit engagieren möchten. Auch Biologen aus anderen Fachgebieten und Nichtbiologen, die über eine hinreichende fachliche Kompetenz verfügen, sind herzlich willkommen. Die AG ist offen in dem Sinne, dass Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft in anderen Gruppierungen ohne Belang sind. Insbesondere sehen wir uns nicht als Konkurrenz zum AK Evolutionsbiologie des VBiO und werden mit diesem Arbeitskreis zusammenarbeiten.

 

Unser Ziel ist die sachliche und substanzielle Darstellung der Evolutionsbiologie, und zwar sowohl ihrer Grundlagen und Inhalte als auch ihrer erkenntnistheoretischen Basis. Unsere Zielgruppen sind weder Evolutionsbiologen noch Kreationisten: Erstere benötigen unsere Argumente nicht, letztere nehmen sie erfahrungsgemäß nicht oder nur verzerrt zur Kenntnis. Wir wollen in erster Linie den Nichtfachmann erreichen, den Schüler und Lehrer, den Journalisten und den interessierten Laien – kurzum alle, die sich mit Evolutionsbiologie auseinandersetzen wollen oder müssen und die grundsätzlich bereit sind, auf wissenschaftlich fundierte Argumente zu hören, wenn man sie ihnen verständlich erklärt. Die hierbei an vielen Stellen unvermeidliche Auseinandersetzung mit parawissenschaftlichen Ideen soll in der Sache hart, dabei aber und so weit wie möglich fair und sachlich erfolgen.

 

Als Vertreter einer fruchtbaren naturwissenschaftlichen Disziplin sehen wir den Naturalismus, welcher jeder empirischen Wissenschaft zugrunde liegt, als unabdingbare Voraussetzung einer sinnvollen Arbeit und Diskussion. Daher halten wir daran fest, dass Weltanschauungen inklusive solcher religiöser oder konfessioneller Art das wissenschaftliche Denken und Arbeiten nicht seinem Inhalt nach beeinflussen dürfen, unabhängig davon, welchen Stellenwert sie in dieser oder jener Form im Leben und Arbeiten eines jeden einzelnen einnehmen. Dieser Grundsatz wird von allen Mitgliedern der AG akzeptiert, und auf seiner Basis erscheint eine inhaltlich fruchtbare, vielseitige Zusammenarbeit möglich.

      

 

Prof. Dr. Andreas Beyer, 23. Dezember 2009